Dunkelfeld

Folge: 1003 | 11. Dezember 2016 | Sender: rbb | Regie: Christian von Castelberg

So war der Tatort:

Bild: rbb/Oliver Vaccaro
Ausführlich. Und das unterscheidet Dunkelfeld erheblich von den vorherigen drei Tatort-Folgen aus Berlin: Mussten die beiden Haupt(stadt)kommissare Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) in Das Muli, Ätzend und Wir - Ihr - Sie noch jeweils einen eigenständigen Mordfall aufklären, können sie sich diesmal ganz auf den Fall konzentrieren, der bisher nur nebenbei erzählt wurde - den Mord an Karows Ex-Kollegen Gregor Maihack (Roberto Thoenelt). Dieser parallel laufende Handlungsstrang engte vor allem den überfrachteten Tatort Ätzend spürbar ein - diesmal aber stehen den Filmemachern die vollen 88 Minuten für die Auflösung der Täterfrage und einen actiongeladenen Showdown zur Verfügung. 88 Minuten, die mit Inhalt und Leben gefüllt werden wollen, und genau da liegt der Hase im Pfeffer: Für die gesamte Spielfilmlänge erscheint das letzte Kapitel der Maihack-Geschichte unter dem Strich etwas dünn. Dabei geht es spannend los: Kronzeuge Andi Berger (Robert Gallinowski) will endlich die entscheidende Aussage machen, um danach in ein Zeugenschutzprogramm überführt zu werden. Doch dazu kommt er nicht: Auf dem Weg zu Staatsanwalt Harald Hemrich (Holger Handtke) wird er direkt vor Karows Augen erschossen - und nimmt das Geheimnis um das Handyvideo, das Maihacks Tod dokumentiert, mit ins Grab. All das geschieht, während Rubin die Bar Mitzwa ihres Sohns Kaleb (Louie Betton) vorbereitet, die in der Folge in aller Ausführlichkeit dokumentiert wird - während Karow an vorderster Front in die Fänge von Kriminellen gerät, muss Rubin erstmal ihr Privatleben in den Griff kriegen. Zu allem Überfluss montieren die Filmemacher diesen mehr als zähen Handlungsstrang unter anderem parallel zu einem actiongeladenen Treffen im Parkhaus und schicken die Spannungskurve damit direkt wieder auf Talfahrt.

Spätestens nach einer Stunde schleicht sich im 1003. Tatort der Verdacht ein, dass man das alles auch deutlich kompakter hätte erzählen können: Die dynamische Inszenierung von Regisseur Christian von Castelberg (Herrenboxer) und das echtzeitähnliche Szenario können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte oft künstlich in die Länge gezogen wird - ein Krimineller nimmt sich irgendwann sogar die Zeit, zwischendurch ein Buch zu lesen. Während Karow in Gefangenschaft um sein Leben fürchten muss, verbringen Rubin und die eifrige Hospitantin Anna Feil (knuffig: Carolyn Genzkow) in der zweiten Filmhälfte den Großteil ihrer Zeit plaudernd im Wagen oder lassen ihren Kollegen Mark Steinke (den wir diesmal weder zu sehen, noch zu hören bekommen) Hintergründe im Internet recherchieren, statt es einfach selbst zu tun. Auch Kommissar Zufall darf fleißig mitermitteln: Insbesondere der Fund des Videos, um dessen Versteck der Zuschauer schon früh weiß, wirkt konstruiert und findet genau in jenem Moment statt, der dramaturgisch am besten ins Konzept passt. Wer über diese Schwächen im Drehbuch von Stefan Kolditz (Verbrannt) hinwegsehen kann, darf sich aber an einem kurzweiligen und knallharten Großstadtthriller erfreuen, der mit einem Tatort im klassischen Sinne nur wenig gemeinsam hat: Durch den hohen Action- und Gewaltanteil werden eher Erinnerungen an den Hamburger Tatort mit Til Schweiger und Fahri Yardim wach. Doch anders als den Beiträgen aus dem hohen Norden fehlt es denen aus Berlin nicht an Tiefgang: Die beiden Hauptfiguren werden auch dank des engagierten Spiels von Meret Becker und Mark Waschke mit Leben gefüllt, so dass ihr vierter gemeinsamer Fall doch immer wieder mitreißt. Für zartbesaitete Zuschauer ist der Film allerdings nichts: Dunkelfeld fällt überraschend blutig aus und spielt keine einzige Minute im Präsidium, sondern fast ausschließlich auf den Straßen und Baustellen der Hauptstadt. Ortskundige Zuschauer dürften bei diesem Streifzug viele Schauplätze wiedererkennen - ein erfreuliches neues Markenzeichen der Berliner Tatort-Folgen, denen es zu Zeiten von Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) oft an Lokalkolorit mangelte.

Bewertung: 6/10

Kommentare:

  1. Für so ein schlechtes Drehbuch sollte der Gebührenzahler sein Geld zurück bekommen.
    Wie die Beamten reden und sich verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen absolut Realitätsfremd.
    Familien Probleme werden immer mehr in den Vordergrund gestellt anstelle von guter Handlung.
    Bei einigen Szenen musste ich überlegen ob da eine Lustiger Film oder der Tatort läuft.


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  2. ...extrem schlechtes Schauspiel von allen Beteiligten! Das einzige was lebendig, war die wackelige Kamera und, so schien es, der wackelnde Hintern des Karow am Ende der Schmunzette. Oft muss ja Haut herhalten, wenn die Story nichts taugt. Für lange Zeit von "Tatort" geheilt, langweiliger RBB!

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