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Ein Fuß kommt selten allein

Folge: 986 | 8. Mai 2016 | Sender: WDR | Regie: Thomas Jauch

So war der Tatort:

Bild: WDR/Martin Menke
Pirouettenreich. Denn Ein Fuß kommt selten allein spielt dort, wo sich offenbar vor allem Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann) nach Feierabend gern aufhält: im Tanzverein. Und der Tatort aus Münster wäre nicht der Tatort aus Münster, wenn die Juristin sich für ihr Tango-Training nicht einen ganz besonderen Tanzpartner ausgesucht hätte: Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers), der seiner Assistentin Silke "Alberich" Haller (Christine Urspruch) die jüngst erhaltene Verdienstmedaille des Bundespräsidenten neidet und im Gegenzug auf eine Klemmsche Empfehlung für eben jene Auszeichnung hofft, zeigt bei der gemeinsamen Einlage auf dem Parkett vollen Körpereinsatz. Der Zufall will es, dass Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) im selben Tanzverein ermittelt: Im Wolbecker Wald wurde das Skelett der Moldawierin Elmira Dumbrowa gefunden, die einst zu den besten Tänzerinnen des Clubs zählte. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt wird deutlich, dass Logik und Spannung beim 29. Fall von Thiel und Boerne einmal mehr hinter Dialogwitz und Albernheiten zurückstehen müssen: Hätten die Ermittler den Wald nach dem Fund des Skeletts einfach großräumig abgesucht, statt immer wieder dort hinzufahren und neue Spuren zu entdecken, wäre das zwar deutlich logischer gewesen, hätte die Dramaturgie aber aus den Angeln gehoben. Drehbuchautor Jan Hinter (Erkläre Chimäre), der bereits das zwölfte Drehbuch für einen Tatort aus Münster beisteuert, setzt auf sein bewährtes Erfolgsrezept - und lässt es sich nicht nehmen, einen amüsanten Seitenhieb auf die vielen TV-Kritiker (Wie war der Tatort? eingeschlossen, vgl. Das Wunder von Wolbeck) zu verteilen, die in den letzten Jahren mitunter kein gutes Haar an den massenkompatiblen Folgen aus Westfalen ließen:
Thiel: "Geht's vielleicht auch mit ein bisschen weniger Klamauk?"
Boerne: "Dann müssen Sie sich einen anderen Rechtsmediziner suchen."
Wer auf einen packenden Krimi mit Tiefgang hofft, wird zum wiederholten Male enttäuscht: Knisternde Spannungsmomente oder verblüffende Wendungen sucht man in diesem leichtverdaulichen, thematisch aber durchaus erfrischenden Film vergebens. Erfreulicherweise driftet der 986. Tatort aber selten ganz in den Klamauk ab: Die Mischung aus klassischen Whodunit-Elementen und mal mehr, mal weniger originellem Dialogwitz steht in einem stimmigeren Verhältnis als in manch anderer Folge der jüngeren Vergangenheit (man denke zum Beispiel an die enttäuschende Klamotte Mord ist die beste Medizin). Auch die zweite Meta-Anspielung des Professors trifft ins Schwarze ("Eine DNA-Analyse dauert schon etwas länger als ein Sonntagabendkrimi."), doch an anderer Stelle übertreiben es die Filmemacher: Bei der witzlosen Nebengeschichte um Thiels "Vaddern" Herbert (Claus D. Clausnitzer), der den knochenreichen Wolbecker Wald als ertragreiches Terrain für das Sammeln von Fliegenpilzen ausgemacht hat, kommen wohl nur die eingefleischtesten Fans auf ihre Kosten. Spätestens, als der Alt-Hippie dank der vorprogrammierten Magenverstimmung das eigene Taxi vollkotzt, ist die gesunde Dosis an Albernheiten deutlich überschritten. Schwächeln tut Ein Fuß kommt selten allein auch beim Blick auf die Besetzung: Thomas Heinze wird als aufbrausender Präsident deutlich weniger gefordert als bei seiner letzten Tatort-Rolle in Wer Wind erntet, sät Sturm, andere Nebendarsteller mögen tolle Tänzer sein, sind schauspielerisch aber limitiert. Und nicht nur der strenge und mit einem entscheidenden Handicap ausgestattete Tanztrainer Andreas Roth (Max von Pufendorf, Heimspiel) wirkt überzeichnet. Die Fans von Thiel und Boerne kommen dennoch auf ihre Kosten: Bei der Motorradfahrt mit Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) schlägt der vielfach tatorterprobte Regisseur Thomas Jauch (Ohnmacht) den Bogen zu Thiels geplatztem Biker-Urlaub in Ruhe sanft, während Boerne die modisch eigenwilligen Gummistiefel trägt, die für den besten Gag in Spargelzeit sorgten. Und dann sind da noch die stimmungsvollen Bilder vom abschließenden Tanzwettbewerb, die den Zuschauer mit einem standesgemäßen Footloose-Ohrwurm in die Nacht entlassen - auch wenn die vielen Statisten im Saal nicht halb so begeistert mitfiebern wie das Publikum in der RTL-Show Let's dance, in der die mehr oder weniger prominenten Hobbytänzer die Halle regelmäßig zum Ausflippen bringen.

Bewertung: 5/10

1 Kommentar:

  1. Klasse Tatort. Mit vielen Wendungen. Spritzige, witzige Dialoge. Der Ton war gut verständlich. Nie langweilig. Bitte mehr solche unterhalsamen Tatorte! Note 1 +!!!

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