Frühstück für immer

Folge: 904 | 16. März 2014 | Sender: MDR | Regie: Claudia Garde

So war der Tatort:

Bild: MDR/Steffen Junghans
Abschiedsreif. Nach dem vor Klischees nur so triefenden Jahresauftakt Türkischer Honig, den einmal mehr negativen Publikumsreaktionen und den schwachen Kritiken hatte der MDR offenbar endgültig die Faxen dicke: Simone Thomalla und Martin Wuttke, die seit 2008 (Debüt in Todesstrafe) als Eva Saalfeld und Andreas Keppler gemeinsam auf Mörderjagd gehen, wurden vom Sender kurzerhand aufs Abstellgleis geschoben. 2014 sollen noch zwei Folgen mit den umstrittenen Leipziger Ermittlern gedreht werden, bevor der Sender mit neuen Kommissaren (die gab's ja schließlich schon lange nicht mehr im Tatort) frischen Wind in die Krimireihe bringen möchte. Trotz der derzeitigen Ermittlerschwemme eine sinnvolle Entscheidung: Auch in Frühstück für immer wird der Zuschauer wieder mit einem deutlich unterdurchschnittlichen Drehbuch gestraft, das der geschiedenen Ehe der beiden Kommissare zum wiederholten Male - und trotz zahlreicher Steilvorlagen - nichts Originelles abgewinnt. "Nein, da darf ich nämlich noch nicht rein", erwidert Saalfeld mit todernster Miene, als sie von Keppler gefragt wird, ob sie denn eigentlich schon einmal auf einer Ü40-Party gewesen sei. Das mag man als Kompliment an die fast 50-jährige Thomalla oder missglückte Pointe werten, doch passt dieser seltsame Dialog zu einem Leipziger Tatort, in dem genau das eintritt, was angesichts der Rahmenhandlung um den Mord an der liebeshungrigen Powerfrau Julia Marschner (Oana Solomonescu, Harte Hunde) zu befürchten war: Die Dauer-Singles Keppler und Saalfeld, die selber aus der Generation des Opfers stammen, reflektieren sich permanent selbst und philosophieren fleißig übers Älterwerden und die Vergänglichkeit der Schönheit, während nebenbei noch ein Krimi vor sich hinplätschert. Für die Spannung sind ihre ermüdenden Dialoge und kitschigen Binsenweisheiten pures Gift.

Damit nicht genug der Schwächen: Drehbuchautorin Katrin Bühlig (Unter uns) und Regisserin Claudia Garde (Borowski und das Mädchen im Moor) skizzieren in Frühstück für immer eine Welt, in der Single-Frauen über 40 grundsätzlich unglücklich und für Männer uninteressant sind - es sei denn, sie sind schönheitsoperiert, spreizen schon nach der ersten Begegnung bereitwillig die Beine oder heißen mit Nachnamen Saalfeld. In Zeiten boomender Partnerbörsen und immer mehr glücklichen Single-Haushalten wirkt dieses Szenario - gerade in einer modernen Großstadt wie Leipzig - doch ziemlich realitätsfern. Auch bei ihren Figuren setzen die Filmemacher auf plumpe Stereotypen statt auf vielschichtige Charakterzeichnung und tragen bei den Freundinnen der Ermordeten zudem zu dick auf: Während Physiotherapeutin Karmen (Inga Busch, Verlorene Töchter), die selbst keine Kinder kriegen kann, jeden Tag glücklichen Eltern beim Babyschwimmen zuschauen muss, verteidigt Rechtsanwältin Silvie Stein (Ursina Lardi, Wunschdenken) ausgerechnet den schmierigen Schönheitschirurgen Peter Hauptmann (Filip Peeters, Spiel auf Zeit), dem die Verstorbene auf der letzten gemeinsamen Ü40-Party schöne Augen gemacht hat. Und Tochter Caro (Helen Woigk), die ihrer toten Mutter nur wenig Tränen nachweint, lässt sich von ihrem Freund Mike (Franz Dinda) einen Verlobungsring anstecken, obwohl selbst Saalfeld nicht vor den mühsam gesächselten Flirtattacken des nacktbäuchigen Fulltime-Casanovoas sicher ist. Soviel Naivität kauft man ihr einfach nicht ab. Dass die Auflösung der Täterfrage durchaus überraschend ausfällt, rettet am Ende wenig - zu hölzern sind die Dialoge, zu klischeebeladen die Handlung und zu nervtötend die Denglisch-Einlagen von Flirtlehrer Tom Römer (Marc Hosemann): "Mich interessiert immer nur das Game, der Approach, ob ich danach noch 'nen Close-Fuck kriege, ist mir egal." Nuff said. 

Bewertung: 3/10

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