Der Eskimo

Folge: 894 | 5. Januar 2014 | Sender: HR | Regie: Achim von Borries

So war der Tatort:

Bild: HR/Bettina Müller
Meyfrei. Dass beim Tatort die besten Ermittler nicht immer zuletzt gehen, ist spätestens seit dem Abschied des großartigen Hamburger Undercover-Ermittlers Cenk Batu (Mehmet Kurtulus, Der Weg ins Paradies) bekannt - und auch Nina Kunzendorf (Der Tote im Nachtzug), die Frankfurt in den letzten Jahren als Hauptkommissarin Conny Mey aufmischte, strich nach ihrem letzten Auftritt in Wer das Schweigen bricht viel zu früh die Segel. Kurz darauf gab auch Kunzendorfs Tatort-Partner Joachim Król seinen Ausstieg bekannt - doch anders als seine Kollegin bleibt der Charakterdarsteller der Krimireihe zumindest noch für zwei weitere Folgen als Hauptkommissar Frank Steier erhalten. Ein Solo-Auftritt ist sein sechster Einsatz deshalb noch lange nicht: Der Hessische Rundfunk, der mit Wolfram Koch und Margarita Broich bereits das Frankfurter Nachfolgeteam bekannt gegeben hat, stellt ihm für Der Eskimo einmalig Alwara Höfels (Alles hat seinen Preis) zur Seite, die Kunzendorfs Abschied als nassforsche Kriminalkommissarsanwärterin Linda Dräger zumindest ein Stück weit auffangen und dem giftigen Steier ("Was machen Sie hier eigentlich? Schülerpraktikum?") Paroli bieten soll. Die Betonung liegt auf soll - denn anders als ihre toughe Vorgängerin bewegt sie sich bei den zahlreichen Streitgesprächen eher selten auf Augenhöhe mit dem cholerischen Alki-Kommissar. An Höfels' schauspielerischen Qualitäten liegt das freilich nicht: Das Drehbuch von Achim von Borries (Wie einst Lilly), der auch Regie führt, und Hendrik Handloegten (Der tote Chinese) ist nun mal stark auf den verkaterten Kommissar zugeschnitten, der nach einer durchzechten Nacht auf einer Parkbank aufwacht und kurz darauf Zeuge eines Mordes wird.

Schon Steiers kläglich scheiternde Verfolgung der Täterin offenbart, dass Der Eskimo als Trinkerdrama deutlich besser funktioniert als als Sonntagskrimi zum Miträtseln: Der wirre Kriminalfall, zu dessen Auflösung die Ermittler den Text von Manfred Manns Evergreen Mighty Quinn auseinander pflücken, wäre in einem Science-Fiction-Film aus Hollywood deutlich besser aufgehoben als in einem Fadenkreuzkrimi. Amerikanische Elite-Soldaten und Alien-DNA in einem Tatort? Kaum zu glauben. Da nützt es wenig, dass Dräger über diesen hanebüchenen Handlungsstrang - der Ludwigshafener Kult-Tatort Tod im All lässt grüßen - witzelt und die Gedanken vieler Fernsehzuschauer unfreiwillig auf den Punkt bringen dürfte. Während die krude Militärgeschichte aber zumindest frischen Wind in die Krimireihe bringt, ist im 894. Tatort ansonsten alles genau so angelegt, wie man es erwartet: Das emotional aufgeladene Wiedersehen mit Steiers Ex-Frau Jutta (Jenny Schily) - das ein paar starke Szenen beim gemeinsamen Lieblingsitaliener mit sich bringt - ist natürlich kein Zufall, sondern eng mit der früh vorhersehbaren Auflösung der Täterfrage verknüpft. Während sich dem Zuschauer spätestens nach einer Dreiviertelstunde überdeutlich offenbart, was es mit der Joggerin, Juttas deutlich jüngerem Lover Lars (Volker Bruch, Unbestechlich) und der verschwundenen Transe aus der Nachbarwohnung des zweiten Opfers auf sich hat, tappen Steier und Dräger jedoch eine halbe Ewigkeit im Dunkeln: So wirkt auch der spannend arrangierte Showdown recht konstruiert. So ist Króls sechster Einsatz in Frankfurt zwar kein wirklich schwacher, aber sein bisher schwächster - bleibt zu hoffen, dass ihm nach bis dato vielen starken Auftritten in seinem letzten Tatort Das Haus am Ende der Straße (geplant für Herbst 2014) wieder ein besseres Drehbuch vergönnt ist.

Bewertung: 5/10

When Quinn the Eskimo gets here, everybody's gonna jump for joy...

1 Kommentar:

  1. Fand ihn ja im Großen und Ganzen recht gelungen. Die Story war überzogen und sehr konstruiert, aber Krol und seine neue Kollegin haben das mehr als wettgemacht. Ich hätte sogar 7/10 gegeben.
    Angelika Hörner

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