3 x schwarzer Kater

Folge: 543 | 19. Oktober 2003 | Sender: WDR | Regie: Buddy Giovinazzo

So war der Tatort:

Bild: NDR/WDR/Michael Böhme
Rollstuhlgerecht. Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) ist bei seinem dritten gemeinsamen Fall mit Hauptkommissar und St. Pauli-Fan Frank Thiel (Axel Prahl) nämlich zum ersten Mal bis über beide Ohren verliebt: in eine Rollstuhlfahrerin. Dass das naturgemäß ein wenig reservierter ausfällt als bei manch anderem frisch Verliebten, versteht sich von selbst: Umständlich und steif bittet er Heimleiterin Katharina Stoll (großartig: Mord mit Aussicht-Aushängeschild Caroline Peters in ihrem bisher einzigen Tatort-Auftritt) zum Dinner im piekfeinen Restaurant, lässt sich beim Joggen von der Schwerbehinderten abhängen und blickt verstohlen zur Seite, wenn Stoll über ihre sexuellen Wünsche plaudert. Und doch zeigt er sich in vielen Szenen überraschend einfühlsam. Er kann also auch anders, der politisch selten korrekte Forensiker und talentierte Hobby-Pianist, der auch in 3 x schwarzer Kater wieder jede sich bietende Gelegenheit nutzt, seine kleinwüchsige Assistentin Silke "Alberich" Haller (Christine Urspruch) mit ihrer buchstäblich überschaubaren Körpergröße aufzuziehen. Dass es Boerne darüber hinaus mit dem Gesetz nicht allzu genau nimmt, zeigt sich neben der köstlichen Briefkastenszene (s. Bild), die den Mediziner seine sündhaft teure Herrenarmbanduhr und einen verlegenen Anruf bei Thiel kostet, vor allem beim Besuch seines amerikanischen Kollegen Dr. King (Max von Pufendorf, Unter Druck), für den ein "Tütchen" offenbar Grundvoraussetzung für produktive Laborarbeit ist.
Boerne: "Thiel, können Sie mir nicht 'ne mittelgroße Menge Marihuana beschaffen, hm? Aus der Asservatenkammer? Oder... ja, vielleicht reden Sie mal mit Ihrem Vater?"
Der radebrechende Kollege, der in 3 x schwarzer Kater permanent zwischen deutschen und englischen Sätzen hin- und herswitcht und Boerne kumpelhaft "Charly" ruft, ist ansonsten aber einer der weniger guten Einfälle des eingespielten Autorenduos Stefan Cantz und Jan Hinter, die auch die Drehbücher zu vielen weiteren amüsanten Münster-Folgen wie Hinkebein, Der doppelte Lott oder die herausragende Auftaktfolge Der dunkle Fleck schreiben. Sein plötzliches Aufschlagen wirkt sehr konstruiert, wenngleich es letztlich King ist, der den entscheidenden Hinweis auf den Täter liefert. Dass dieser nicht aus dem Wohnheim für Menschen mit Behinderung stammt, überrascht nicht - ein schwerbehinderter Mörder wäre wohl selbst für einen Tatort aus Münster zuviel des Guten gewesen. Dennoch weiß die Auflösung zu überzeugen - und bietet Regisseur Buddy Giovinazzo (Platt gemacht) darüber hinaus Gelegenheit, einen spannenden Showdown auf den Bahngleisen zu inszenieren. Da ist es zu verschmerzen, dass im 543. Tatort mal wieder der/die prominenteste Nebendarsteller/in für den Mord verantwortlich zeichnet.

Bewertung: 7/10

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