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Borowski und der coole Hund

Folge: 816 | 6. November 2011 | Sender: NDR | Regie: Christian Alvart

So war der Tatort:

Bild: NDR/Marion von der Mehden
Skandinavisch. Klaus Borowski (Axel Milberg) darf im zweiten gemeinsamen Einsatz mit seiner neuen Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) nämlich einen alten Bekannten begrüßen: Stefan Enberg (Markus Krepper), schwedischer Kommissar, und dank eines seltenen Tollwutfalls jenseits der Grenze voll in die Ermittlungen involviert. Damit nicht genug: Die Schauplätze des Geschehens wechseln im ersten Viertel des Tatorts - deutsche Untertitel inbegriffen - fröhlich zwischen der sonnigen Kieler Förde und dem Land nordöstlich der Öresundbrücke. Kein Wunder, schließlich zeichnet kein Geringerer als Milberg-Freund Henning Mankell, der bereits die Geschichte zu Borowski und der vierte Mann schrieb, für die Vorlage zum Drehbuch von Michael Proehl (Weil sie böse sind) verantwortlich. Für den selten dämlichen deutschen Episodentitel Borowski und der coole Hund kann der schwedische Krimi-Experte freilich wenig - Mankell ist es aber zu verdanken, dass der zweite Fall von Borowski und Brandt eine ganze Ecke härter und blutiger ausfällt als der Durchschnittstatort. Der Serientäter begnügt sich nämlich keineswegs damit, seine Opfer einfach nur zu töten - er spießt sie auf spitzen Bambusstangen und Metallrohren buchstäblich auf. Willkommen bei Mankell!

Die Beweggründe des cleveren Killers, dessen Identität erst angenehm spät gelüftet wird, sind schnell offensichtlich: In Borowski und der coole Hund dreht sich von Beginn an alles um Femme Fatale Ina Santamaria, in deren Rolle die Deutsch-Österreicherin Mavie Hörbiger (Zartbitterschokolade) groß aufspielt. Die männermordende Sexbombe mit einer schmerzhaften Vorliebe für heiße Herdplatten flirtet nicht nur mit dem schwedischen Kommissar, sondern auch fleißig mit dem muffeligen Borowski - nur an Brandt, die auch die Enbergschen Annäherungsversuche souverän abblockt, beißt sich das personifizierte Tatmotiv die Zähne aus. Brandt wiederum muss im 816. Tatort gehörig einstecken: Von Borowski, der mit üblen Zahnschmerzen zu kämpfen hat, lautstark getadelt und von epileptischen Anfällen geplagt, darf sie wie schon in Borowski und die Frau am Fenster beim Showdown das Zünglein an der Waage spielen. Der Schlussakkord gelingt dem leinwanderprobten Regisseur Christian Alvart (Willkommen in Hamburg) hervorragend - bei den Verfolgungsjagden und Leichenfunden, die die theatralische Musik von Michl Britsch gar nicht nötig haben, lässt er das Timing hingegen hin und wieder vermissen. Es bleibt ein kleiner Wermutstropfen in einem ansonsten ausgezeichneten und hochkarätig besetzten Kieler Tatort.

Bewertung: 8/10

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