+++ Tatort-Kritiker(in) gesucht! +++

Du verpasst keinen neuen Tatort, kannst deine Meinung fundiert zu Papier bringen und möchtest sie auf dieser Seite mit tausenden Lesern teilen? Dann melde dich per Kontaktformular bei uns.

Der Wald steht schwarz und schweiget

Folge: 838 | 13. Mai 2012 | Sender: SWR | Regie: Ed Herzog

So war der Tatort:

Bild: SWR/Peter A. Schmidt
Interaktiv. Denn die ARD blendete während der Erstausstrahlung auf Videotext-Seite 777 nicht nur aktuelle #tatort-Tweets ein, sondern forderte die Internetgemeinde auch zum Miträtseln auf. Eine Frage blieb nach dem Abspann nämlich offen. Welche? Natürlich die, warum den SWR-Drehbuchschreibern einfach nichts Neues einfällt. Eine Entführung von Lena Odenthal - Himmel, das gab es doch nun wirklich schon zur Genüge, zuletzt in der Serienmörder-Episode Hauch des Todes, in der sich Ulrike Folkerts in Plastikfolie wickeln und in letzter Sekunde retten ließ. In Der Wald steht schwarz und schweiget (welch schöne Hommage an das Kinderlied "Der Mond ist aufgegangen") sind keine Psychopathen, sondern Jugendliche aus einem Resozialisierungscamp hinter Lena her. Teenager also, die im TV normalerweise in Rachs Restaurantschule oder bei Die strengsten Eltern der Welt enden. Teenager, die vermutlich kein Wort Französisch sprechen, aber durch den Pfälzer Wald nach Frankreich fliehen wollen. Teenager, die entweder ein Dutzend Magic Mushrooms vertilgen und wie Westernhelden durch die Gegend ballern, oder aber über das Wort "Pimmelgarage" kichern und sich um die geplagten Füße sorgen.

"Können wir nicht mal auf dem richtigen Weg gehen? Ich hab schon richtig krasse Blasen."

Natürlich, mit einer Geisel im Gepäck bieten sich Wanderwege an. Dem durchgeknallten Glatzkopf die Knarre anzuvertrauen - clever. Und dass die Erfolgsaussichten, mit einem Helikopter im Genick zu sechst in einer morschen Nussschale über einen stark strömenden Fluß zu schippern, überschaubar ausfallen, dürfte eigentlich selbst den bildungsfreien Halbstarken ("Was ist denn Risotto?") einleuchten. Logik sucht man in Der Wald steht schwarz und schweiget oft vergebens - ja warum schweiget er denn, der Wald? Schließlich sind permanent Buschtrommeln oder bedeutungsschwangere Streicher zu hören, während in Herr der Ringe-Manier über Stock und Stein gehetzt wird. Sie können einem fast leid tun, die fünf Jungschauspieler, genötigt zu Wörtern wie "Akopperlypse", Stockholm-Syndrom, Spinnentätowierungen am Hals und emotionalen Ausbrüchen im Minutentakt. In der langen Geschichte der Lena Odenthal gab es schon einige blamable Kapitel (man denke nur an die Katastrophenepisode Fette Krieger) - mit dem 838. Tatort wurde ein neues geschrieben.

Bewertung: 1/10

1 Kommentar:

  1. wie sich Geschmäcker unterscheiden: Mir hat er eigentlich ganz gut gefallen ;)

    AntwortenLöschen