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Schön ist anders

Folge: 783 | 12. Dezember 2010 | Sender: MDR | Regie: Judith Kennel

So war der Tatort:

Bild: MDR/Junghans
Alkoholfixiert - denn in Schön ist anders, dem neunten gemeinsamen Einsatz der Leipziger Hauptkommissare Andreas Keppler (Martin Wuttke) und Eva Saalfeld (Simone Thomalla) haben gleich drei Personen mit den Folgen von Alkoholproblemen zu kämpfen. Da ist zum einen der siebzehnjährige Tobias Fischer (Philipp Gerstner), der bei einer feuchtfröhlichen Betriebsfeier der städtischen Verkehrsbetriebe zum wiederholten Male barsch von der umtriebigen Schönheit Mandy Wachowiak (Susanne Bormann) zurückgewiesen wird und einen Großteil des Tatorts mit einer Alkoholvergiftung auf der Krankenstation verbringt. Des weiteren die alkoholkranke Moni Fischer (überragend: Jule Böwe, Grenzgänger), die Wodkaflaschen in Bad und Bett versteckt und dadurch neben der längst nicht mehr glücklichen Ehe mit ihrem geduldigen Ehemann Uwe (Martin Brambach, Der Weg ins Paradies) auch die Kindheit ihrer kleinen Tochter Nele (Carla Sewczyk) aufs Spiel setzt. Und nicht zuletzt Keppler selbst: Der outet sich im 783. Tatort als Ex-Trinker, dem seine heutige Kollegin Saalfeld vor zehn Jahren den Laufpass und die Schuld am Tod der einjährigen Tochter Marie-Louis gegeben hat ("In der Nacht, in der mein Kind gestorben ist, lag ich besoffen in einem Hotel in Frankfurt."). Während die Alkoholkrankheit von Teenager Tobi und Kommissar Keppler bei der Suche nach dem Mörder von Jörg Korsack (Christian Goebel, 3 x schwarzer Kater), dem Personalleiter der Verkehrsbetriebe, eher Nebenkriegsschauplatz bleiben, arbeitet Drehbuchautorin Katrin Bühlig (Unter uns) Moni Fischers Sucht intensiv aus - zweifellos die stärksten, bewegendsten Momente des Films, der sich oft eher wie ein Familiendrama anfühlt als wie ein klassischer Sonntagabendkrimi.

Jule Böwe bietet die Rolle als alkoholkranke Ehefrau und Mutter ausgiebig Gelegenheit, ihr schauspielerisches Können unter Beweis zu stellen - da verkommt es fast zur Randnotiz, das mit Corinna Harfouch (Die Ballade von Cenk und Valerie) als mehrfach betrogene Gattin des Mordopfers auch eine der besten Schauspielerinnen Deutschlands zum Cast zählt. Harfouch bekommt überraschend wenig Entfaltungsspielraum eingeräumt, darf im Streit mit der dreißig Jahre jüngeren Mandy aber zumindest eine kleine Duftmarke setzen. Der Ausgang dieses Streits ist zugleich die größte Überraschung des Films, der mit dieser Ausnahme - wie so oft in Leipzig - oft bieder inszeniert ist und die gewohnten Standardsituationen der populären Krimireihe abarbeitet. Dass Keppler ("Ich hab's so satt, in dem Elend von anderen Leuten zu wühlen.") auch noch eine mittelschwere Midlife-Crisis durchleben und mit drei heißen Italienerinnen um die Häuser ziehen muss, macht Schön ist anders nicht besser, denn das Alkoholdrama im Hause Fischer und die Ermittlungsarbeit werden dadurch immer wieder unnötig ausgebremst. Und Saalfeld? Die schwärmt vom tollen Sex mit Ex-Mann  Keppler, brezelt sich für die Männersuche auf und trifft sich mit Mama Inge (Swetlana Schönfeld, Kinderland) zum Prosecco - nur auf ein braves Gläschen, versteht sich.

Inge Saalfeld: "Ich kenn dich, meine Süße, dir fehlt mal wieder ein Mann im Bett."

Bewertung: 5/10

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