+++ Tatort-Kritiker(in) gesucht! +++

Du verpasst keinen neuen Tatort, kannst deine Meinung fundiert zu Papier bringen und möchtest sie auf dieser Seite mit tausenden Lesern teilen? Dann melde dich per Kontaktformular bei uns.

Hauch des Todes

Folge: 768 | 22. August 2010 | Sender: SWR | Regie: Lars Montag

So war der Tatort:

Bild: SWR/Krause-Burberg
Wasser- und insektenreich. Hauch des Todes ist der 50. Fall von Hauptkommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) - aber bei weitem nicht ihr bester, denn er setzt von Beginn an auf Bildsprache mit der Brechstange. In Ludwigshafen und Mannheim treibt ein brutaler Frauenmörder sein Unwesen, der seine Opfer in einem Kokon aus durchsichtiger Plastikfolie verschnürt und im Rhein versenkt - Grund genug für Regisseur Lars Montag (Kassensturz), seinen Krimi mit penetranten Wasser- und Insektenmotiven zu überfrachten: Allein acht Mal (!) zeigt Montag eine wenige Sekunden dauernde Kamerafahrt durch grünliche Algen unter Wasser, die spätestens beim dritten Mal nervt und in Sachen Farbgebung und Unschärfe nicht recht zum sonstigen Sommerlook des Tatorts passen will. Auch die Käfer und Raupen, die wiederholend in Großaufnahme gezeigt werden und den Hauch des Todes in der Schlusseinstellung formvollendet abrunden sollen, verfehlen ihre Wirkung: Montag will offenbar einen Hauch von Arthouse und großer Filmkunst auf die Mattscheibe bringen, inszeniert am Ende aber doch bloß einen Sonntagabendkrimi, dem ein wenig Bodenständigkeit besser zu Gesicht gestanden hätte. Spätestens wenn Assistentin Edith Keller (Annalena Schmidt) auf den Knien durch die Büroräume krabbeln muss, weil Odenthals verletzter Kater Mikesch ausgebüxt ist, stellte sich ohnehin die Frage, ob cineastischer Anspruch und lahmer Vorabend-Humor hier im richtigen Verhältnis zueinander stehen.

Neben der unstimmigen Optik krankt der Hauch des Todes an einer weiteren Schwäche: Autor Jürgen Werner (Mein Revier) trifft seine Entscheidung, auf das klassische Whodunit-Prinzip zu verzichten, mindestens eine halbe Stunde zu spät. Eigentlich ist jedem halbwegs krimierprobten Zuschauer nämlich schon beim ersten Auftritt des einmal mehr großartig aufspielenden Lars Eidinger, der 2012 in einer ganz ähnlich gelagerten Rolle als einbrechender Bösewicht in Borowski und der stille Gast ein Millionenpublikum verstörte, in der Rolle des Schiffsdisponenten Daniel Tretschok klar, wo der Hase lang läuft, so dass das Rätsels Lösung mit fünf Leichen und zwei Mördern unnötig unübersichtlich gerät. Dass ausgerechnet Odenthal ins Visier des Serienkillers gerät und in letzter Sekunde von ihrem Kollegen Mario Kopper (Andreas Hoppe) aus den Fängen des Psychopathen befreit werden muss, ist zudem alles andere als neu und war zum Beispiel 1996 im herausragenden Fall Der kalte Tod schon deutlich besser zu sehen. So rettet den 768. Tatort allein der blendend aufgelegte Eidinger, der seinen Frauenmörder herrlich schaurig gibt und Folkerts bei ihrem Jubiläum mühelos an die Wand spielt: Selbst nachdem der Unbekannte in Odenthals Wohnung eingedrungen und mehrfach Jogging-Fotos von ihr hinterlassen hat, scheint die Kommissarin keine nennenswerte Angst zu verspüren, ja die Begegnung mit dem Mörder förmlich zu erwarten. In Panik gerät sie erst, als sie selbst in Folie gewickelt wird - zu spät, denn zu einem wirklich guten Tatort macht der zweifellos packend inszenierte Unter-Wasser-Showdown den Hauch des Todes nicht mehr.

Bewertung: 5/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen