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Hitchcock und Frau Wernicke

Folge: 764 | 24. Mai 2010 | Sender: rbb | Regie: Klaus Krämer

So war der Tatort:

Bild: rbb/Hans-Joachim Pfeiffer
Nostalgisch. Hitchcock und Frau Wernicke ist nicht nur ein hochklassiger Berliner Tatort, sondern vor allem - der Titel legt es bereits nahe - eine gekonnte Hommage an einen der größten Regisseure aller Zeiten. Alfred Hitchcock, der "Master of Suspense", schuf 1954 mit Das Fenster zum Hof einen zeitlosen Klassiker, der mit Disturbia vor einigen Jahren nicht nur eine moderne Neuauflage erlebte, sondern das Genre nachhaltig prägte und zugleich eine ganze Latte an filmischen und satirischen Querverweisen nach sich zog (unter anderem in der amüsanten Simpsons-Episode Ein grausiger Verdacht). Mit Hitchcock und Frau Wernicke macht auch Regisseur und Drehbuchautor Klaus Krämer (Machtlos) der Suspense-Legende seine Aufwartung - und zeigt, dass Hitchcocks Meisterwerk auch in einem Berliner Wohnblock des 21. Jahrhunderts hervorragend funktionieren kann. Gibt es ein schöneres Kompliment für einen fast 60 Jahre alten Thriller?

Krämer begeht dabei aber nicht den Fehler, Das Fenster zum Hof lediglich nachzuerzählen: Seine Protagonistin sitzt nicht in James Stewart-Manier mit Gipsbein im Rollstuhl. An die eigenen vier Wände gefesselt ist die vereinsamt lebende Irmgard Wernicke (Barbara Morawiecz, Transit ins Jenseits) trotzdem: Für die tüdelige, sympathische Rentnerin sind die regelmäßigen Besuche der engagierten Altenpflegerin Renate Müller (Lotte Ohm) und des netten Zivis Timo (Robert Höller, Herz aus Eis) schon die Höhepunkte ihres Tagesablaufs. Krämer bringt das wichtige Thema der Vereinsamung im Alter geschickt mit der Rahmenhandlung um den vermeintlichen Mord im Nachbarhaus in Einklang und sorgt im ersten Filmdrittel mit der aggressiven Stimmung zwischen Ritter und Stark für zusätzliche Brisanz. Auf bedeutungsschwangere Filmmusik - und das unterscheidet seinen Tatort elementar vom Oeuvre Hitchcocks - verzichtet der Filmemacher jedoch fast komplett. Der Spannung tut das keinen Abbruch: Nicht zuletzt dank des Twists im Mittelteil, der den Krimi im Jahr 2010 erdet und den 764. Tatort endgültig von der populären Thrillervorlage löst, überzeugt Hitchcock und Frau Wernicke bis zum Ende und ist damit der beste Fall der Berliner Hauptkommissare.

Bewertung: 9/10

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