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Wir sind die Guten

Folge: 749 | 13. Dezember 2009 | Sender: BR | Regie: Jobst Oetzmann

So war der Tatort:

Bild: BR/Stephen Power
Lückenhaft - doch nicht etwa im Bezug auf das Drehbuch, in dem Logiklöcher und ärgerliche Anschlussfehler weitestgehend ausbleiben. Nein: Es ist der Münchner Hauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec), der in der Einleitung von Wir sind die Guten nach einem Autounfall dem Tod nur knapp von der Schippe springt und sich in der Folge mit einer schweren Amnesie herumschlagen muss. Der Anschlag auf sein Leben? Ein Rätsel. Die Stunden vor dem Gedächtnisverlust? Ausgelöscht. Nicht einmal seinen langjährigen Kollegen Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl), der am Krankenbett des Kroaten zunächst an einen schlechten Scherz glaubt, erkennt der Hauptkommissar im 749. Tatort wieder. Gedächtnislücke reiht sich an Gedächtnislücke, eine Panikattacke jagt die nächste, und selbst von Halluzinationen bleibt der bedauernswerte Amnesiepatient nach dem Erwachen nicht verschont. Und dann? Dann geht der Tatort eigentlich erst richtig los, denn mit Rauschgiftfahnderin Leah Wedel gibt es plötzlich ein Mordopfer, das sich ausgerechnet am Abend vor ihrem Ableben mit Batic auf einen Kaffee getroffen hat. Eine Ausgangslage, wie gemalt für ein verzwicktes und spannendes Puzzlespiel - und selbst wenn die häppchenweise Aufarbeitung der zurückliegenden Nacht an einigen Stellen etwas konstruiert wirkt, inszeniert Regisseur Jobst Oetzmann (1000 Tode), der gemeinsam mit Magnus Vattrodt (Der traurige König) auch das Drehbuch zu diesem ungewöhnlichen Münchner Fall konzipierte, einen extrem unterhaltsamen Krimi, der zu keiner Sekunde langweilt. 

Die Rollen sind dabei allerdings klar, ein wenig zu klar verteilt: Auf der einen Seite der abgetauchte Batic, der vermeintliche Mörder, den die Münchner Polizeikollegen fast neunzig Minuten durch die Isarstadt scheuchen, und natürlich der aufgebrachte Leitmayr, sein revierinterner Anwalt und Kollege, der trotz der vernichtenden Beweislast keinen Moment lang an der Unschuld seiner besseren Ermittlungshälfte zweifelt. Auf der anderen Seite der extrem unsympathische Rauschgiftfahnder Michalik (Max Hopp, Vergessene Erinnerung), der fast im Zehn-Minuten-Takt mit Leitmayr aneinander gerät, und der unterkühlt und rational urteilende Vorgesetzte Rüdiger Stolze (gewohnt charismatisch: Michael Mendl, Wegwerfmädchen), für den die Indizienlage von Beginn an eine eindeutige Sprache spricht. Es spricht für Oetzmanns Drehbuch, das sich zumindest Stolze ("Ich bin doch kein Unmensch.") im Mittelteil des Films wider Erwarten als vielschichtiger Charakter entpuppt und weit weniger eindimensional skizziert wird als Michalik, dessen Verstrickungen in den Mordfall früh offensichtlich sind. Aber ist der verhasste Kollege auch der Täter? Die Antwort kennt nur Batic: Der erinnert sich, nachdem ihn Leitmayr in einer hochdramatischen, fast rührenden Sequenz in letzter Sekunde vor dem sicheren Tod im Kugelhagel bewahrt, pünktlich zum finalen Showdown wieder - und kommt nach einem Bauchschuss sogar ein drittes Mal mit dem Schrecken davon. Die Auflösung des gekonnt arrangierten Puzzlespiels, in dem nur die schräg vertonten und etwas plump inszenierten Aussetzer des Amnesiepatienten aus dem Rahmen fallen, ist nicht minder pfiffig als der Rest der ungewöhnlichen Geschichte - und die macht von Minute 1 bis 90 einfach Riesenspaß. Da kann man über kleinere Ungereimtheiten und die gelegentliche Schwarz-Weiß-Malerei schon mal hinweg sehen.

Bewertung: 8/10

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