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Unbestechlich

Folge: 713 | 7. Dezember 2008 | Sender: MDR | Regie: Nils Willbrandt

So war der Tatort:

Bild: MDR/Junghans
Deutlich stärker geprägt von Korruption, als es der Krimititel nahelegt - denn in Unbestechlich ist fast jeder direkt oder indirekt in den gewaltsamen Tod der jungen Kellnerin Ellen Krüger (Lisa Ivana Brühlmann) verstrickt. Die Leipziger Hauptkommissare Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) stehen bei ihrem dritten Einsatz scheinbar allein auf der Seite des Gesetzes, weil sie - vom fleißigen Kriminalassistenten Wolfgang Menzel (Maxim Mehmet) einmal abgesehen -  sogar gegen die eigenen Kollegen ermitteln müssen: Saalfeld und Keppler, allein gegen den Rest der korrupten Welt! Da ist es gleich doppelt verwunderlich, dass die diesmal ungewohnt harmonisch auftretenden Ermittler nicht wegen persönlicher Befangenheit von dem Fall abgezogen werden: Ausgerechnet ihr guter Freund und Kollege Matthias Krupp (Thorsten Nindel, Brüder) gerät in den Fokus der Ermittlungen. Ein herber Schlag für die Leipziger Kommissare: Nur wenige Stunden vor dem Fund der Leiche hatten sie noch in einem schicken Restaurant mit Krupps Ehefrau Berit (Jule Ronstedt) darauf angestoßen, die beiden vor achtzehn Jahren zusammengebracht zu haben. Sicher nicht die spannendste Szene dieses Krimis, aber dafür ein netter Einstieg - denn bei der kleinen Feier unter Freunden wird nicht nur die Beziehung der Krupps diskutiert, sondern auch die eine oder andere Anekdote aus der Ehe-Vergangenheit von Keppler und Saalfeld ausgepackt.
Keppler: "Ihr könnt euch ja noch ein paar traurige Geschichten aus den 80ern erzählen." 
Saalfeld: "Na, Bombe!"
Nach diesem eher gemütlichen Auftakt dreht sich im 713. Tatort bald alles um die Frage, welcher Charakter sich am verdächtigsten verhält. Drehbuchautor Andreas Pflüger (Türkischer Honig), der bereits zum fünfzehnten Mal für die Krimireihe am Ruder sitzt, arrangiert einen klassischen Whodunit und widmet sich einem sehr beliebten Tatort-Thema: Rauschgiftmissbrauch und Drogenhandel - man denke an Borowski und der Himmel über Kiel, Das Muli oder Dinge, die noch zu tun sind - ziehen sich wie ein roter Faden durch die Krimireihe und sind auch in Unbestechlich der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Pflüger beschäftigt sich aber nur am Rande mit den schlimmen Folgen von Heroinkonsum: Er rückt die titelgebende Korruption und die Machtspielchen innerhalb des Leipziger Polizeiapparats in den Fokus - und damit vor allem den unsympathischen Kollegen Stefan Dirks (Harald Schrott, Vergeltung), der sich mit Keppler ("Meine Stammkneipe ist das Büro.") am Billardtisch duelliert und ansonsten so ziemlich alles tut, was man als aufrichtiger Polizist möglichst nicht tun sollte. Dass der auf großem Fuß lebende Beamte Dreck am Stecken haben muss, ist ebenso früh ersichtlich wie einige andere Aspekte des Falls, und so ist auch die Auflösung der Täterfrage(n) am Ende keine große Überraschung. Deutlich positiver ins Gewicht fällt da die Leistung zweier Nebendarstellerinnen: Carolyn Genzkow (Macht der Angst) und Margarita Breitkreiz (Das Mädchen Galina) liefern als drogensüchtige Krupp-Tochter Amelie und Einwandererin Roza Arweladse starke Leistungen ab. Trotz weniger Dialogzeilen schafft es Genzkow, allein mit ihrer Körpersprache und einigen gequälten Lauten die Entzugserscheinungen ihrer Figur auf den Punkt zu bringen. Ihr Zusammenspiel mit Simone Thomalla, mit der sie seit 2012 in der ZDF-Reihe Frühling als Mutter-Tochter-Gespann vor der Kamera steht, ist zwar kurz, aber intensiv. Angesichts dieser starken Darbietungen ist zu verschmerzen, dass die Ermittlungsarbeit bisweilen recht unprofessionell wirkt: Es ist eigentlich nur schwer vorstellbar, dass die Spurensicherung in der Wohnung der Toten den Blick in den Mülleimer vergisst oder niemand die Personalien eines Verdächtigen überprüft, um etwas über dessen Herkunft zu erfahren. Welchen "Mist" der unter Tatverdacht stehende Krupp für Keppler in der Vergangenheit auf sich genommen hat, lässt der Krimi von Regisseur Nils Willbrandt (Mord in der ersten Liga) im Übrigen unbeantwortet.

Bewertung: 6/10

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