Blutdiamanten

Folge: 620 | 15. Januar 2006 | Sender: BR | Regie: Martin Eigler

So war der Tatort:

Bild: WDR/T. Ehling
Belgisch. Blutdiamanten spielt nämlich keineswegs - wenngleich es der Krimititel nahelegen mag - in Afrika, dem Kontinent also, in dem die im 620. Tatort ausführlich thematisierten Edelsteine abgebaut werden. Sondern rund 200 Kilometer entfernt von Köln, in der belgischen Großstadt Antwerpen. Die Hauptkommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär), die zum 33. Mal Seite an Seite ermitteln, entschließen sich gegen Mitte des Krimis zu einem spontanen Autotrip, bei dem sie nicht nur die langsam auskühlende Spur des skrupellosen Edelsteinhändlers Karl de Mestre (Andreas Windhuis, Kassensturz) verfolgen, sondern vor Ort auch zum zweiten Mal auf eine belgische Kollegin treffen: die ebenso toughe wie wasserstoffblonde Julia Ruiter (Andrea Croonenberghs), die zuvor der Domstadt eine Stippvisite abgestattet hatte. Unterstützung haben die Kölner Hauptkommissare bei ihrem Ausflug ins europäische Nachbarland auch bitter nötig: Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt) bleibt in Deutschland und leidet einmal mehr unter Liebeskummer, an dem Ballauf und Schenk nicht ganz unschuldig sind, weil sie ihre leiderprobte Assistentin zur nächtlichen Videosichtung im Präsidium verdonnern, statt sie in den wohlverdienten Feierabend mit ihrem vergeblich wartenden Lover Tom zu entlassen. Die einleitenden, furchtbar konstruierten Taschentuchszenen (und die spätere Versöhnung an der Wurstbraterei) mit der überarbeiteten Franziska, bei denen sämtliche Parteien zu dick auftragen, sind das größte Ärgernis in einem Krimis, in dem ansonsten weitaus wichtigere Probleme thematisiert werden als Überstunden auf dem Präsidium - und dem die internationalen Verstrickungen gut zu Gesicht stehen.

Wenn im Tatort grenzübergreifend ermittelt wird - man denke an die Bremer Folge Der illegale Tod, Das goldene Band aus Hannover oder den Münsteraner Fadenkreuzkrimi Die chinesische Prinzessin - kommt am Ende selten wirklich Gutes dabei heraus: Meist enden die Ermittlungen in den ewig gleichen Scharmützeln mit dem BKA, das natürlich alles besser weiß als die lokal ansässigen Kommissare und diese daher in schöner Regelmäßigkeit auszubremsen versucht (vergeblich, versteht sich). Dass der Kölner Tatort es besser kann, bewies er bereits 1998 mit dem sehr unterhaltsamen Ausflug nach Manila, und auch in Blutdiamanten wird die politisch angehauchte Geschichte gekonnt als klassischer Whodunit-Krimi verpackt, bei dem die Auftaktleiche nur als Aufhänger für die größere Sache dient. Die Drehbuchautoren Sönke Lars Neuwöhner und Sven Poser, die bereits gemeinsam das Skript zum Kölner Tatort Schützlinge konzipierten, lassen das BKA komplett außen vor und machen die Sache zur Privatangelegenheit: Ruiter begibt sich auf eigene Faust in die Domstadt, Ballauf und Schenk spontan nach Antwerpen, wo Regisseur Martin Eigler (Blutgeld) nach dem furiosen Auftakt auf Karl de Mestres Firmenfeier zum zweiten Mal eine knackige Actionsequenz inszenieren darf (s.Bild). Da neben Diamantenhändlern und Profikillern zudem einige bis in die Haarspitzen motivierte Kölner Aktivisten mitmischen, fällt die Auflösung der Täterfrage durchaus knifflig aus - vorausgesetzt, der Zuschauer hat von dem ungeschriebenen Gesetz, dass im Tatort meist der prominenteste Nebendarsteller den Mörder mimt, noch nie gehört.

Bewertung: 7/10

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