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Der Teufel vom Berg

Folge: 604 | 7. August 2005 | Sender: ORF | Regie: Thomas Roth

So war der Tatort:

Bild: ARD Degeto/RBB/ORF/Andreas Fischer
Teuflisch. Denn Der Teufel vom Berg, eine von mehreren Tirol-Folgen innerhalb der Krimireihe, hält absolut, was der Tatort-Titel verspricht: Im Mittelpunkt steht der diabolische, charismatische Hauptverdächtige, der den spannenden Provinzkrimi wie keine zweite Figur prägt. Die Rede ist von Georg Hochreiter, in dessen Nebenrolle der spätere Tatort-Kommissar Ulrich Tukur (Wie einst Lilly) fünf Jahre vor seinem Debüt als LKA-Ermittler in Wiesbaden zu Hochform aufläuft. Der Exzentriker, Frauenheld, Frauenschläger und reiche Provokateur in Personalunion thront mit seiner nicht minder extravaganten Ehefrau Andrea (Susanne Lothar, Der glückliche Tod) majestätisch in einer Berghütte über dem verschlafenen österreichischen Dörfchen, in dem sich Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) im 604. Tatort wider Willen auf eine groteske Undercover-Odyssee begeben muss. Nach der schmerzhaften ersten Begegnung liefern sich Hochreiter und Eisner ein packendes Psychoduell, das der Wiener Ermittler am Ende nach Punkten klar verliert. Regisseur Thomas Roth (Der Millenniumsmörder) serviert dem Publikum einen eigenwilligen, aber bis in die Details durchdachten und authentischen Tatort, der sich erst ganz am Ende den ungeschriebenen Gesetzen des Sonntagabendkrimis im Ersten unterwirft und daher trotz des enormen Potenzials die Höchstwertung auf der Bewertungsskala doch noch klar verfehlt.

Eigentlich bringt Der Teufel vom Berg nämlich alles mit, was einen echten Tatort-Meilenstein ausmacht: den Bruch mit den gängigen Genre-Konventionen, einen stark aufspielenden Cast, eine steile Spannungskurve und nicht zuletzt eine ordentliche Portion Lokalkolorit. Insbesondere die Dialoge am Mittagstisch der einheimischen Familie Feichtner verlangen dem ungeübten Ohr des deutschen Zuschauers alles ab. Auch der österreichische Crazy-Star Robert Stadlober (Hydra) beweist bei seinem für lange Jahre letzten Tatort-Auftritt eindrucksvoll, dass er der österreichischen Kabarettistin, Schauspielerin und vollbusigen Sexbombe Nina Hartmann sprachlich in nichts nachsteht. Dass sich nach dem Abspann trotz aller dramaturgischen Qualitäten und dem bis dato hochklassigen Drehbuch von Felix Mitterer (Lohn der Arbeit) dennoch eine gewisse Enttäuschung beim Zuschauer einstellen mag, liegt an der früh vorhersehbaren Auflösung: Einmal mehr ist es das zum damaligen Zeitpunkt prominenteste Gesicht der Besetzung, das für den Mord verantwortlich zeichnet, obwohl die Tatmotive und Täter-Optionen doch so verschieden und zahlreich ausfallen. Schade: Der Teufel vom Berg hätte sogar das Zeug zum Klassiker gehabt.

Bewertung: 8/10

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