Eine unscheinbare Frau

Folge: 485 | 11. November 2001 | Sender: RB | Regie: Martin Gies

So war der Tatort:

Bild: WDR/Radio Bremen/Jörg Landsberg
Miseryös. Die Handlung im Bremer Tatort Eine unscheinbare Frau dürfte nämlich vor allem jenen bekannt vorkommen, die Rob Reiners großartige Leinwand-Adaption von Stephen Kings Bestseller-Roman Misery mit der oscarprämierten Kathy Bates in der Hauptrolle gesehen haben. Eine fanatische, fast wahnsinnige Verehrerin, die einen verletzten Mann - das Objekt ihrer Begierde - in den eigenen vier Wänden gefangen hält und bereit ist, bis zum Äußersten zu gehen: Das sind im 485. Tatort die unscheinbare Margit Brede (Bettina Kupfer, Bienzle und der süße Tod) und der bedauernswerte Alfred Stellmacher (Henry Hübchen, Jetzt und alles), der sich einst in eine Affäre mit der biederen Beamtin stürzte und es nun bitter bereuen muss, ihr den Laufpass gegeben zu haben. Doch damit nicht genug: Drehbuchautor Jochen Greve (Tote Männer) bedient sich auch fleißig bei Adrian Lynes knisterndem Hollywood-Klassiker Eine verhängnisvolle Affäre, in der Michael Douglas sich der blutigen Rachegelüste seiner ehemaligen Liebhaberin Glenn Close erwehren muss. Nun ist Hübchen, der in einigen Sequenzen ungewohnt lustlos wirkt, kein Douglas, und Kupfer erst recht keine Close - und dementsprechend köchelt die Beziehung zwischen Opfer und Entführtem in Eine unscheinbare Frau eher auf Sparflamme.

Spannend gestalten sich die Szenen in Bredes Single-Wohnung trotzdem - wenngleich sich der eingesperrte Stellmacher selten dämlich anstellt und gleich mehrfach leichtfertig die Gelegenheit zur Flucht  verstreichen lässt. Darüber könnte man noch hinwegsehen - nicht aber über die weiteren Drehbuchschwächen und Logiklöcher, die sich nach einer guten Stunde häufen: Mehr als einmal muss Kommissar Zufall helfen, um der Bremer Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) bei ihrem ersten gemeinsamen Einsatz mit dem eigentlich als Vertretung vorgesehen Kommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) bei den Ermittlungen auf die Sprünge zu helfen. Der Schlüssel, der wie zufällig genau im Rost vor der Eingangstür landet, die kidnappende Beamtin, die wie zufällig für den Reisepass von Lürsens Tochter Helen Reinders (Camilla Renschke) zuständig ist - man könnte noch mehr Beispiele aufzählen. Regisseur Martin Gies (Die apokalyptischen Reiter) versteht es dennoch, die oft ziemlich konstruierte Handlung in einen unterhaltsamen und selten langweiligen Krimi zu verpacken - und das ist es, was letztlich zählt. Da kann Tochter Helen mit ihrem schlecht geplanten Trip nach Kanada noch so sehr nerven.

Bewertung: 6/10

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